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DAX 40 Index einfach erklärt: Aufbau, Berechnung, Bedeutung

Ein umfassender Überblick über den deutschen Leitindex DAX 40: Zusammensetzung, Berechnungsmethode, Gewichtung und wie Anleger die Kennzahlen richtig einordnen.

Markt-Redaktion·
DAX 40 Index einfach erklärt: Aufbau, Berechnung, Bedeutung

Kaum eine Kennzahl wird in deutschen Wirtschaftsnachrichten so häufig zitiert wie der DAX. Für viele Anleger ist er der erste Berührungspunkt mit dem Aktienmarkt – ein einziger Wert, der angeblich zeigt, wie es der deutschen Wirtschaft geht. Doch hinter dieser scheinbar simplen Zahl steckt ein präzises Regelwerk aus Gewichtungsformeln, Streubesitzdefinitionen und periodischen Überprüfungen, das nur wenige Anleger tatsächlich verstehen.

Was der DAX 40 ist und was er misst

Der DAX 40 ist der Leitindex der Deutschen Börse und bildet die Kursentwicklung der nach Marktkapitalisierung und Handelsvolumen bedeutendsten börsennotierten Unternehmen Deutschlands ab, die im Prime Standard des regulierten Marktes gelistet sind und über XETRA gehandelt werden. Der Name selbst ist eine Abkürzung für Deutscher Aktienindex. Die Zahl 40 verweist auf die feste Anzahl der im Index enthaltenen Unternehmen – eine Erweiterung gegenüber der früheren, kleineren Zusammensetzung, mit der die Deutsche Börse den Index breiter und diversifizierter aufstellen wollte.

Der DAX 40 gehört zur größeren Indexfamilie der Deutschen Börse, zu der auch der MDAX für mittelgroße Unternehmen und der SDAX für kleinere Nebenwerte zählen. Zusammen bilden diese Indizes eine Art Rangordnung der deutschen Aktienlandschaft nach Unternehmensgröße und Liquidität.

Kursindex versus Performanceindex: zwei Rechenweisen, ein Name

Ein häufiges Missverständnis betrifft die Frage, welcher DAX-Wert tatsächlich gemeint ist, wenn Medien über den Index berichten. Es existieren nämlich zwei parallele Berechnungsvarianten. Die in den Nachrichten meist zitierte Version ist der Performanceindex, auch Total-Return-Index genannt. Bei dieser Variante werden ausgeschüttete Dividenden der enthaltenen Unternehmen rechnerisch reinvestiert, sodass sie den Indexstand weiter nach oben treiben. Diese Methode entspricht am ehesten dem tatsächlichen Vermögenszuwachs eines Anlegers, der die Aktien hält und Dividenden erneut investiert.

Daneben gibt es den Kursindex, der Dividendenzahlungen nicht berücksichtigt und rein die Kursveränderungen der Indexmitglieder widerspiegelt. Diese Variante wird international häufiger verwendet, weil sie mit ausländischen Leitindizes wie dem S&P 500 in seiner klassischen Kursform vergleichbarer ist. Wer DAX-Stände unterschiedlicher Quellen vergleicht, sollte deshalb genau darauf achten, welche der beiden Varianten zugrunde liegt, da die Differenz über längere Zeiträume erheblich ausfallen kann.

Freefloat und Marktkapitalisierung: so wird gewichtet

Der DAX 40 ist ein sogenannter Freefloat-Index. Das bedeutet, dass nicht die gesamte Marktkapitalisierung eines Unternehmens in die Berechnung einfließt, sondern nur jener Aktienanteil, der tatsächlich frei am Markt handelbar ist. Anteile, die etwa von Gründerfamilien, dem Staat oder strategischen Ankerinvestoren dauerhaft gehalten werden und nicht zum Verkauf stehen, werden herausgerechnet. Diese Methode soll sicherstellen, dass der Index die tatsächlich für Investoren verfügbare und handelbare Marktbreite widerspiegelt, statt durch nicht handelbare Beteiligungen verzerrt zu werden.

Innerhalb dieses Freefloats erfolgt die Gewichtung nach Marktkapitalisierung: Unternehmen mit einem höheren frei handelbaren Börsenwert erhalten ein größeres Gewicht im Index, kleinere Mitglieder entsprechend weniger. Um zu verhindern, dass ein einzelnes Schwergewicht den gesamten Index dominiert, wendet die Deutsche Börse zusätzlich ein sogenanntes Cap an, eine Obergrenze für das maximale Gewicht eines einzelnen Titels. Dadurch bleibt der Index auch bei stark unterschiedlich großen Mitgliedsunternehmen einigermaßen ausbalanciert, auch wenn einzelne Sektoren wie Industrie, Chemie, Software oder Finanzdienstleistungen historisch traditionell zu den einflussreichsten zählen.

Zusammensetzung, Branchen und die regelmäßige Indexpflege

Die vierzig Mitgliedsunternehmen des DAX stammen aus unterschiedlichsten Branchen, wobei die Gewichtung im Zeitverlauf naturgemäß schwankt, je nachdem welche Sektoren an der Börse gerade stärker bewertet werden. Traditionell prägen Industrie- und Automobilkonzerne, Chemie- und Pharmaunternehmen, Versicherungen, Banken sowie zunehmend auch Technologie- und Softwareunternehmen das Bild. Diese Branchenmischung macht den DAX zu einem vergleichsweise breit diversifizierten Abbild der deutschen Exportwirtschaft, wenngleich er wegen der Konzentration auf große, international tätige Konzerne den Mittelstand, der das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bildet, nur eingeschränkt repräsentiert.

Die Zusammensetzung des Index ist nicht statisch. Die Deutsche Börse überprüft die Mitgliedschaft in regelmäßigen, planmäßigen Abständen anhand klar definierter Kriterien wie Marktkapitalisierung, Börsenumsatz und weiterer Zulassungsvoraussetzungen wie fortlaufende Gewinnprofitabilität. Unternehmen, die aus dem relevanten Größenbereich herausfallen, werden durch aufsteigende Kandidaten aus dem MDAX oder anderen Segmenten ersetzt. Dieser Mechanismus sorgt dafür, dass der Index im Zeitverlauf strukturell aktuell bleibt und nicht dauerhaft von Unternehmen dominiert wird, die wirtschaftlich an Bedeutung verlieren. Für Anleger bedeutet das: Die Zusammensetzung von heute ist keine Garantie für die Zusammensetzung von morgen.

Was der DAX über die Wirtschaft aussagt – und wie Anleger ihn lesen sollten

Der DAX wird in der öffentlichen Wahrnehmung oft als Fieberthermometer der deutschen Wirtschaft insgesamt behandelt. Diese Gleichsetzung ist nur bedingt zutreffend. Da die enthaltenen Konzerne einen Großteil ihrer Umsätze im Ausland erzielen, spiegelt der Index eher die globale Geschäftslage international tätiger deutscher Großkonzerne wider als die Konjunktur im Inland. Ein starker DAX-Stand sagt daher nicht zwangsläufig etwas über die Lage kleiner und mittlerer Unternehmen oder den heimischen Arbeitsmarkt aus.

Für Privatanleger ist der DAX vor allem als Referenzgröße nützlich: als Vergleichsmaßstab für die eigene Portfolioentwicklung, als Basiswert für Indexfonds und ETFs, die eine kostengünstige, breit gestreute Beteiligung an der deutschen Großunternehmenslandschaft ermöglichen, und als Stimmungsindikator für die Risikobereitschaft am Kapitalmarkt. Wichtig bleibt dabei das Bewusstsein, dass ein Index kein Garant für stetiges Wachstum ist, sondern Schwankungen unterliegt, die von Zinsentwicklungen, geopolitischen Ereignissen und der Verfassung einzelner Schwergewichte im Index beeinflusst werden. Eine Investition in einen DAX-nachbildenden Fonds ersetzt keine individuelle Risikoprüfung und sollte stets im Kontext der eigenen Anlageziele und des persönlichen Risikoprofils betrachtet werden.

Weiter in der iEconomy Akademie: In den DAX investieren, Aktien kaufen: Depot und Order. Begriffe aus dieser Lektion: Liquidität.

Häufig gestellte Fragen

Ist der DAX 40 dasselbe wie eine Investition in die deutsche Wirtschaft? Nicht ganz, denn die enthaltenen Konzerne erwirtschaften einen erheblichen Teil ihrer Umsätze außerhalb Deutschlands und der Mittelstand ist im Index kaum vertreten. Der DAX bildet vor allem die Entwicklung großer, international ausgerichteter Unternehmen ab, nicht die gesamte heimische Volkswirtschaft.

Warum unterscheiden sich manchmal die DAX-Stände in verschiedenen Nachrichtenquellen? Das liegt meist daran, dass eine Quelle den Performanceindex mit reinvestierten Dividenden zeigt, während eine andere den reinen Kursindex ohne Dividendenberücksichtigung angibt. Beide sind offizielle Varianten desselben Index, messen aber unterschiedliche Größen.

Kann ich direkt in den DAX 40 investieren? Direkt nicht, da ein Index selbst kein handelbares Produkt ist, jedoch existieren zahlreiche börsengehandelte Indexfonds, sogenannte ETFs, die die Zusammensetzung des DAX nachbilden und über die Börse gekauft werden können. Auch hier gelten die üblichen Marktrisiken einer Aktienanlage.

Quellen

iEconomy Akademie

Dieser Beitrag ist eine Lektion aus: Der deutsche Markt · Lektion 1/4

#DAX#Aktienindizes#Börsenwissen

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