50 Jahre passive Indexfonds: Bogles Revolution
Vor einem halben Jahrhundert startete John Bogle den ersten Indexfonds. Seine Idee, den gesamten Markt zu kaufen, hat die Anlagewelt umgekrempelt und verwaltet heute Billionen.
Vor genau 50 Jahren, am 31. August 1976, veränderte John Bogle die Finanzwelt mit einer scheinbar simplen Idee. Er brachte den Vanguard 500 Index Fund auf den Markt, den ersten börsengehandelten Indexfonds (ETF) der Geschichte. Sein Motto lautete: "Suchen Sie nicht nach der Nadel im Heuhaufen. Kaufen Sie einfach den Heuhaufen." Damit begann die Ära des passiven Investierens, die damals jedoch auf Skepsis stieß.
Der Start verlief alles andere als spektakulär. Der Fonds sammelte lediglich elf Millionen US-Dollar ein, eine Summe, die nicht einmal ausreichte, um alle Aktien des S&P 500 zu kaufen. Die Branche verspottete das Konzept als Flop. Heute, ein halbes Jahrhundert später, verwaltet derselbe Fonds fast eine Billion US-Dollar. Aus der einst belächelten Nische ist ein Billionen-Gigant geworden, der die Regeln der Geldanlage neu definiert hat.
Das Erfolgsgeheimnis: Niedrige Kosten
Der zentrale Hebel für den weltweiten Siegeszug der ETFs sind die extrem niedrigen Gebühren. Die jährliche Verwaltungsgebühr für den Vanguard 500 Index Fund sank im Laufe der Zeit von anfänglich 0,43 Prozent auf heute nur noch 0,03 Prozent. Diese Kosteneffizienz macht passive Fonds für breite Anlegerschichten zugänglich und setzt aktive Fondsmanager unter enormen Druck.
Aktive Fonds verlangen in der Regel deutlich höhere Gebühren. Um diese Kosten zu rechtfertigen, müssen ihre Manager durch Stock-Picking, also die gezielte Auswahl von Einzelaktien, eine bessere Rendite als der breite Markt erzielen. Dieses Unterfangen erweist sich jedoch zunehmend als schwierig. Laut Morningstar-Daten, auf die die Neue Zürcher Zeitung verweist, schafften es zuletzt nur 27 Prozent der aktiven US-Standardwertfonds, ihren Vergleichsindex zu schlagen.
Eine neue Anlagephilosophie
Bogles Revolution bestand nicht nur in einem neuen Finanzprodukt, sondern in einer fundamental anderen Denkweise. Statt zu versuchen, den Markt zu schlagen, schlug er vor, ihn einfach nachzubilden. Diese Philosophie der Marktteilnahme statt der Marktbesiegung entmystifizierte das Investieren und machte es für Millionen von Privatanlegern zugänglich.
Die Auswirkungen sind tiefgreifend. ETFs haben den Zugang zu globalen Märkten demokratisiert und ermöglichen eine breite Diversifikation mit minimalem Aufwand. Sie zwingen die gesamte Fondsbranche zu mehr Transparenz und Kosteneffizienz. Der Erfolg des passiven Ansatzes stellt die langfristige Rentabilität des traditionellen, teuren aktiven Managements infrage und hat zu einer Konsolidierung in der Branche geführt.
Heute sind ETFs aus keinem Portfolio mehr wegzudenken. Sie bilden das Rückgrat der Altersvorsorge vieler Menschen und sind ein zentraler Baustein institutioneller Anlagestrategien. Was vor 50 Jahren als Debakel begann, hat sich zur bestimmenden Kraft im modernen Kapitalmarkt entwickelt und den Heuhaufen zum neuen Standard gemacht.
Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und empfiehlt weder einen Wert noch ein Niveau oder eine Richtung; die Bewegung einer einzelnen Sitzung belegt keinen Trend. Hintergründe unter Märkte, Abrechnung, Aktie, Begriffe im Finanzlexikon.
Häufige Fragen
Wer hat den ersten ETF erfunden?
John Bogle, der Gründer der Investmentgesellschaft Vanguard, brachte am 31. August 1976 mit dem Vanguard 500 Index Fund den ersten börsengehandelten Indexfonds auf den Markt.
Was ist das zentrale Prinzip eines Indexfonds?
Das Prinzip ist, nicht einzelne Aktien auszuwählen (die "Nadel im Heuhaufen"), sondern einen gesamten Marktindex wie den S&P 500 nachzubilden (den "Heuhaufen" zu kaufen).
Warum sind ETFs so erfolgreich geworden?
Ihr größter Vorteil sind die extrem niedrigen Kosten. Die Gebühren für den ersten Indexfonds sanken von 0,43 Prozent auf 0,03 Prozent pro Jahr, was sie für Anleger sehr attraktiv macht.
Quellen
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