Dax unter Druck durch Ölpreise und Zinssorgen
Der deutsche Leitindex wird nach einem schwachen Wochenstart mit weiteren Verlusten erwartet. Steigende Rohstoffpreise und die Aussicht auf Zinserhöhungen belasten die Stimmung.
Eva K. / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.5)
Der deutsche Aktienmarkt startet den Dienstag im September mit einem deutlichen Dämpfer. Nach einem bereits verhaltenen Wochenauftakt wird der Dax zum Xetra-Handel mit einem Abschlag von etwa 0,1 Prozent auf 26.230 Punkte erwartet. Damit entfernt sich der Leitindex weiter von seinem jüngsten Rekordhoch bei 26.618 Punkten, das er Ende August erreicht hatte. Die Stimmung wird von einer Mischung aus makroökonomischen Sorgen und saisonalen Mustern geprägt.
Treiber der Verluste
Die Hauptbelastungsfaktoren für die europäischen Märkte sind klar identifiziert: anhaltend steigende Ölpreise und die feste Erwartung weiterer Zinserhöhungen. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird für ihre Sitzung in der kommenden Woche mit einer weiteren Zinsanhebung kalkuliert. Diese Erwartung hat sich seit Wochen verfestigt und drückt auf die Bewertungen, die nach der langen Aufwärtsphase ohnehin als hoch gelten.
Die Unsicherheit wird durch Signale aus den USA verstärkt. Nach Äußerungen von US-Notenbankchef Kevin Warsh vom vergangenen Freitag rechnen die Märkte mittlerweile auch mit einer Leitzinserhöhung der Federal Reserve im September. Diese synchronisierte geldpolitische Straffung auf beiden Seiten des Atlantiks lässt Anleiherenditen steigen und macht festverzinsliche Anlagen im Vergleich zu Aktien attraktiver. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 zeigt sich am Dienstagmorgen mit einem leichten Plus von knapp 0,2 Prozent etwas widerstandsfähiger.
Saisonale Muster und Gegenstimmen
Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners verweist zudem auf das saisonale Muster. Der September gilt historisch gesehen als schwacher Börsenmonat. Allerdings relativiert er diese Perspektive sofort, indem er auf den abgelaufenen August verweist – ein Monat, der im Durchschnitt ebenfalls negativ verläuft, in diesem Jahr aber eine positive Bilanz vorweisen konnte. Diese Abweichung vom historischen Trend zeigt, dass saisonale Muster keine Garantie sind.
Eine optimistischere Sicht vertritt Aktienstratege Mislav Matejka von JPMorgan. Er traut den Aktienmärkten bis zum Jahresende einen weiteren Anstieg zu. Seine Begründung stützt sich auf die fundamentale Seite: Die Unternehmensgewinne sollten auch in den kommenden Monaten stark ausfallen. Diese Einschätzung könnte an diesem Dienstag durch die Veröffentlichung der Einkaufsmanagerindizes (Purchasing Managers‘ Index, PMI) aus der Industrie in Europa und den USA untermauert werden. Starke Indizes würden die Erwartung robuster Gewinne stützen.
Im Einzelhandel könnten die Aktien des Technologiekonzerns Kontron von einem konkreten geschäftlichen Impuls profitieren. Das Unternehmen erwartet Aufträge für Bahnkommunikationslösungen aus Rumänien. Solche Einzelnachrichten bleiben jedoch Einzelfälle und können die breite marktweite Stimmung, die von den großen makroökonomischen Themen dominiert wird, nur begrenzt aufhellen.
Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und empfiehlt weder einen Wert noch ein Niveau oder eine Richtung; die Bewegung einer einzelnen Sitzung belegt keinen Trend. Hintergründe unter Börse, Abrechnung, Aktie, Begriffe im Finanzlexikon.
Häufige Fragen
Warum fällt der Dax heute?
Der Dax steht unter Druck durch steigende Ölpreise und die Erwartung weiterer Zinserhöhungen sowohl durch die EZB als auch möglicherweise durch die US-Notenbank. Diese Faktoren belasten die Bewertungen und die Anlegerstimmung.
Gilt der September wirklich als schlechter Börsenmonat?
Historisch gesehen verzeichnet der September im Durchschnitt schwächere Kurse. Allerdings wies der ebenfalls als schwach geltende August in diesem Jahr bereits eine positive Performance auf, was zeigt, dass saisonale Muster nicht immer zutreffen müssen.
Gibt es auch optimistische Stimmen für den weiteren Jahresverlauf?
Ja. Der Aktienstratege von JPMorgan, Mislav Matejka, erwartet aufgrund weiterhin starker Unternehmensgewinne einen weiteren Anstieg der Aktienmärkte bis zum Jahresende.
Quellen
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