EZB-Direktorin Schnabel fordert weitere Zinserhöhung
Isabel Schnabel warnt vor anhaltenden Inflationsrisiken durch Energiekosten und sieht eine weitere Straffung der Geldpolitik als notwendig an, um Zweitrundeneffekte zu verhindern.
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Isabel Schnabel, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank, hat sich für eine weitere Zinserhöhung in der Eurozone ausgesprochen. In einem Interview mit Bloomberg argumentierte sie, dass der aktuelle Leitzins von 2,25 Prozent nicht ausreiche, um die Inflation mittelfristig auf das Ziel von zwei Prozent zurückzuführen. Eine verzögerte Reaktion könnte ihrer Ansicht nach später eine noch schärfere Straffung der Geldpolitik erfordern.
Die Direktorin äußerte sich besorgt über die anhaltenden Inflationsrisiken, die maßgeblich von den Energiemärkten ausgehen. Sie verwies auf „erhebliche Aufwärtsrisiken“ durch die Erdgaskosten, die angesichts niedriger Speicherstände in Europa besonders besorgniserregend seien. Die jüngsten Preissteigerungen für europäisches Erdgas sind eine direkte Folge der geopolitischen Spannungen im Persischen Golf, die eine Normalisierung der Lieferströme verhindern.
Diese Entwicklung hat die Inflation im Euroraum über das EZB-Ziel getrieben. Laut den jüngsten verfügbaren Daten lag die Teuerungsrate im Juli bei 2,9 Prozent. Schnabel betonte, dass höhere Energiekosten die Produktionskosten für Waren verteuern und so die Inflation weiter anheizen können – ein Prozess, der als Zweitrundeneffekt bekannt ist.
Argumente für eine straffe Geldpolitik
Schnabels Kernargument ist die präventive Wirkung einer zeitnahen Zinserhöhung. Sie warnt davor, dass die EZB „frühzeitig verhindern“ müsse, dass sich diese Zweitrundeneffekte in der Wirtschaft festsetzen. Sobald gestiegene Energiekosten in Lohnverhandlungen und langfristige Verträge einfließen, wird es deutlich schwieriger und kostspieliger, die Inflation wieder unter Kontrolle zu bringen.
Ihre Aussagen signalisieren eine hawkische Haltung innerhalb des EZB-Rats, die Stabilität über kurzfristiges Wachstum stellt. Die Forderung nach einer „weiteren Straffung“ deutet darauf hin, dass sie den derzeitigen politischen Kurs für nicht ausreichend entschlossen hält. Dies steht im Kontrast zu Stimmen, die eine Pause der Zinserhöhungen erwägen, um die konjunkturelle Abkühlung nicht zu verstärken.
Marktimplikationen und Risiken
Die klaren Worte der Direktorin richten sich auch an die Finanzmärkte, um Erwartungen zu steuern. Wenn Marktteilnehmer mit weiteren Zinssteigerungen rechnen, kann dies bereits im Vorfeld inflationsdämpfend wirken, indem es Kreditnachfrage und Spekulation bremst. Eine überraschende oder als zu zögerlich wahrgenommene Politik hätte den gegenteiligen Effekt.
Das größte Risiko bleibt die volatile Energielage. Solange die Lieferungen aus dem Persischen Golf gestört sind und die europäischen Gasspeicher nicht ausreichend gefüllt werden können, bleibt ein fundamentaler Preisdruck bestehen. Die Geldpolitik kann diese Angebotsschocks nur abfedern, nicht beheben. Eine zu aggressive Zinserhöhung in einer sich abschwächenden Wirtschaft birgt zudem das Risiko einer unnötig tiefen Rezession.
Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und empfiehlt weder einen Wert noch ein Niveau oder eine Richtung; die Bewegung einer einzelnen Sitzung belegt keinen Trend. Hintergründe unter Börse, Abrechnung, Aktie, Begriffe im Finanzlexikon.
Häufige Fragen
Warum fordert Isabel Schnabel höhere Zinsen?
Schnabel ist der Ansicht, dass der aktuelle Leitzins von 2,25 Prozent nicht ausreicht, um die Inflation nachhaltig auf das EZB-Ziel von 2 Prozent zu senken. Sie warnt insbesondere vor Zweitrundeneffekten, bei denen hohe Energiekosten in allgemeine Lohn- und Preissteigerungen übergehen.
Welche Rolle spielen die Energiekosten?
Laut Schnabel stellen die Erdgaskosten ein erhebliches Aufwärtsrisiko für die Inflation dar. Niedrige Speicherstände und unterbrochene Lieferungen aus dem Persischen Golf haben die Preise in die Höhe getrieben, was die allgemeine Teuerungsrate antreibt.
Was sind Zweitrundeneffekte?
Zweitrundeneffekte beschreiben einen Prozess, bei dem ein initialer Preisschock – wie bei Energie – sekundäre Preissteigerungen in anderen Bereichen der Wirtschaft auslöst. Wenn Unternehmen ihre höheren Produktionskosten an Endkunden weitergeben und Arbeitnehmer höhere Löhne fordern, kann sich die Inflation verselbstständigen.
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