Anleihen unter Druck nach Iran-Angriff
US-Staatsanleihen setzen ihren Abwärtstrend fort, nachdem neue US-Angriffe auf Ziele im Iran die Ölpreise um über 5 Prozent hochgetrieben und Inflationsängste geschürt haben.
Der Markt für US-Staatsanleihen hat am Dienstag erneut Verluste verzeichnet. Nach einem zwischenzeitlichen Erholungsversuch setzte sich der Abwärtstrend im Laufe der Sitzung fort und trieb die Renditen weiter nach oben. Die jüngste Schwächephase erstreckt sich damit bereits auf die fünfte Handelssession in Folge.
Der Kursrückgang spiegelte sich direkt in den Renditen wider. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe, dem globalen Benchmark, stieg um 3,8 Basispunkte auf 4,796 Prozent. Damit schloss sie auf dem höchsten Stand seit Oktober 2023. Die Anleihekurse hatten sich am Vormittag zeitweise stabilisiert, bevor sie am Nachmittag erneut unter Druck gerieten.
Geopolitische Eskalation treibt Märkte
Der erneute Verkaufsdruck wurde durch eine Eskalation im Nahen Osten ausgelöst. Das US Central Command gab bekannt, eine neue Angriffswelle gegen Ziele im Iran gestartet zu haben, die sich gegen die Islamischen Revolutionsgarden richtete. Die Streitkräfte begründeten die Maßnahme mit jüngsten Versuchen der Revolutionsgarden, Handelsschiffe in der Straße von Hormus und amerikanische Soldaten in der Region anzugreifen.
Die Nachricht löste sofort heftige Reaktionen auf den Rohstoffmärkten aus. Die Terminkontrakte für US-Rohöl (WTI) schnellten um mehr als fünf Prozent nach oben. Ein solch starker Anstieg der Ölpreise weckt unmittelbar Befürchtungen vor einem Wiederaufflammen der Inflation, da Energiepreise ein zentraler Treiber für die allgemeine Preisentwicklung sind.
Inflationsängste belasten Anleihen
Für den Anleihemarkt sind steigende Inflationserwartungen Gift, da sie die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die US-Notenbank ihre Zinspolitik länger restriktiv halten muss. Höhere Leitzinsen mindern den relativen Wert von festverzinslichen Titeln mit bereits festgelegten Kupons. Die plötzliche Ölpreisrallye überlagerte daher einen eigentlich positiven Impuls vom Dienstag: Ein Bericht des Institute for Supply Management (ISM) zur US-Fertigungsaktivität hatte zuvor für etwas Erholung gesorgt.
Die politische Lage bleibt angespannt. Der ehemalige Präsident Donald Trump warnte auf Truth Social, der Iran werde "wieder getroffen, und zwar viel härter und auf höherem Niveau", sollte das Land für die jüngsten Angriffe Vergeltung üben. Er fügte hinzu, dass der "größte Angriff von allen" noch bevorstehe und danach "vom Islamischen Republik Iran sehr wenig übrig" bleibe. Solche Äußerungen tragen zur allgemeinen Risikoaversion bei und stützen tendenziell sichere Häfen, können aber gleichzeitig die Inflationssorgen durch anhaltende geopolitischen Spannungen verstärken.
Der Anstieg der langfristigen Renditen auf fast 4,8 Prozent zeigt, dass die Märkte die Risikoprämie für längerfristige US-Staatsverschuldung neu bewerten. Investoren fordern eine höhere Kompensation für das gestiegene Inflations- und geopolitischen Risiko sowie für die Aussicht auf eine prolongierte Phase hoher Zinsen.
Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und empfiehlt weder einen Wert noch ein Niveau oder eine Richtung; die Bewegung einer einzelnen Sitzung belegt keinen Trend. Hintergründe unter Märkte, Abrechnung, Aktie, Begriffe im Finanzlexikon.
Häufige Fragen
Warum sind US-Staatsanleihen unter Druck?
Die Kurse von US-Staatsanleihen fallen, weil neue US-Angriffe auf Ziele im Iran die Ölpreise stark in die Höhe getrieben haben. Dies nährt die Angst vor wiederkehrender Inflation, was die Erwartung für länger hohe Leitzinsen der Fed festigt und festverzinsliche Anlagen mit bestehenden Kupons unattraktiver macht.
Wie stark stieg die Rendite der 10-jährigen Anleihe?
Die Rendite der zehnjährigen Benchmark-Anleihe stieg um 3,8 Basispunkte auf 4,796 Prozent. Dies ist der höchste Schlussstand seit Oktober 2023, und es war bereits der fünfte Handelstag in Folge mit Renditeanstieg.
Welche Rolle spielte der Ölpreis?
Der Preis für US-Rohöl (WTI) stieg als direkte Reaktion auf die Nachricht von den Angriffen um mehr als fünf Prozent. Da Energiepreise ein Schlüsselfaktor für die Inflation sind, löste dieser Sprung sofort Sorgen aus, dass die Teuerung wieder anziehen und die Zinspolitik beeinflussen könnte, was den Anleihemarkt belastet.
Quellen
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