EZB-Direktorin Schnabel warnt vor Energiepreisen
Isabel Schnabel äußert sich besorgt über die jüngsten Anstiege bei Gas und Öl. Die geldpolitische Lage sei weiter angespannt, die nächsten Zinsentscheidungen datenabhängig.
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Die Direktorin der Europäischen Zentralbank, Isabel Schnabel, hat auf einer Veranstaltung des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin eine deutliche Warnung ausgesprochen. Sie bezeichnete die jüngsten Preisanstiege im Energiebereich als "ziemlich besorgniserregend". Diese Sorge gelte nicht nur für Rohöl, sondern auch für raffinierte Produkte wie Diesel und insbesondere für Erdgas, das ein sehr hohes Preisniveau erreicht habe.
Gaspreise erreichen Höchststand seit 2022
Die Besorgnis der Notenbankerin ist nicht unbegründet. Am Montag stieg der Preis für europäisches Erdgas deutlich an, angetrieben durch Angebotssorgen. Hintergrund sind Lieferausfälle aus Fördergebieten am Persischen Golf. Der richtungsweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF für die Lieferung in einem Monat legte an der Amsterdamer Börse im frühen Handel um mehr als fünf Prozent zu. Er erreichte ein Niveau von 83,75 Euro je Megawattstunde (MWh) – den höchsten Stand seit Ende des Jahres 2022.
Diese Entwicklung stellt eine neue Herausforderung für die Inflationsbekämpfung der EZB dar. Die Energiepreise sind ein zentraler Treiber der Verbraucherpreise im Euroraum. Ein anhaltend hohes Niveau bei Gas und Strom könnte die Fortschritte bei der Rückführung der Inflation gefährden und den geldpolitischen Spielraum der Zentralbank einschränken.
Inflationsrisiken bleiben nach oben gerichtet
Die Warnung vor den Energiepreisen wird von weiteren Mitgliedern des EZB-Rats geteilt. Das slowakische Ratsmitglied Peter Kazimir schrieb in einem Blogbeitrag, die Inflationsrisiken seien "eindeutig nach oben gerichtet". Sein Augenmerk liege nun weniger auf Öl- und Kraftstoffpreisen, sondern zunehmend auf Gas- und Strompreisen. Kazimir, der für eine straffe Geldpolitik bekannt ist, forderte zwar keine unmittelbare weitere Zinserhöhung, betonte aber die anhaltenden Preisrisiken.
Auch der lettische Notenbankchef Martins Kazaks äußerte sich in einer ähnlichen Richtung. Die gemeinsame Sorge der Währungshüter unterstreicht, dass die geldpolitische Lage trotz der jüngsten Zinserhöhung weiterhin als angespannt bewertet wird. Die Märkte müssen sich auf eine Phase der erhöhten Unsicherheit und datenabhängiger Entscheidungen einstellen.
Schnabel selbst ließ den weiteren geldpolitischen Kurs offen. Ob es mit der Zinserhöhung von voriger Woche getan sei, müsse sich erst zeigen. "Die nächsten Entscheidungen werden auf der Grundlage hereinkommender Daten getroffen", sagte die Direktorin. Diese Aussage signalisiert eine hohe Sensibilität der EZB gegenüber neuen Preisschocks, insbesondere aus dem Energiesektor. Für die Finanzmärkte bedeutet dies, dass die Phase der Zinsunsicherheit vorerst nicht beendet ist.
Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und empfiehlt weder einen Wert noch ein Niveau oder eine Richtung; die Bewegung einer einzelnen Sitzung belegt keinen Trend. Hintergründe unter Börse, Abrechnung, Aktie, Begriffe im Finanzlexikon.
Häufige Fragen
Welchen Energiepreis nannte Isabel Schnabel als besonders besorgniserregend?
Isabel Schnabel äußerte sich besonders besorgt über den Preis für Erdgas, der ein sehr hohes Niveau erreicht habe. Sie nannte auch Preisanstiege bei Rohöl und raffinierte Produkte wie Diesel.
Auf welchem Niveau notierte der TTF-Gaskontrakt?
Der richtungsweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat erreichte am Montag 83,75 Euro je Megawattstunde. Dies war der höchste Stand seit Ende 2022.
Wie bewertete Peter Kazimir die Inflationsrisiken?
Das slowakische EZB-Ratsmitglied Peter Kazimir schrieb, die Inflationsrisiken seien eindeutig nach oben gerichtet. Sein Fokus liege zunehmend auf Gas- und Strompreisen.
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