Fed-Chef Warsh hält Zinserhöhung für möglich
Der neue US-Notenbankchef Kevin Warsh signalisiert in seiner ersten großen Rede, dass die Inflation noch nicht besiegt ist und weitere geldpolitische Straffung nötig sein könnte.
AgnosticPreachersKid / Wikimedia Commons (cc-by-sa-3.0)
Der neue Vorsitzende der US-Notenbank, Kevin Warsh, hat in seiner ersten großen programmatischen Rede eine klare Botschaft gesendet: Der Kampf gegen die Inflation ist noch nicht vorbei. Auf dem Wirtschaftssymposium der Federal Reserve in Jackson Hole, Wyoming, schloss Warsh weitere Zinserhöhungen nicht aus, sollte sich die Preisentwicklung nicht zügig genug in Richtung des 2-Prozent-Ziels bewegen.
Inflationsziel noch nicht erreicht
Warsh stellte einen klaren Maßstab für die weitere Geldpolitik auf. Die Notenbank müsse davon überzeugt sein, dass sich die zugrunde liegende Inflation eindeutig und mit ausreichender Geschwindigkeit auf das Ziel zubewegt. »Ansonsten haben wir noch einiges zu tun«, ergänzte er laut vorab veröffentlichtem Redemanuskript. Diese Aussage wird als Warnung an die Märkte verstanden, die in den letzten Monaten auf ein baldiges Ende der restriktiven Politik gehofft hatten.
Die Datenlage gibt Warsh recht. Die US-Inflation lag im Juli bei 3,4 Prozent. Damit befindet sie sich seit über fünf Jahren kontinuierlich über dem angestrebten Zielwert. Zwar deuteten jüngste Konjunkturdaten auf eine leichte Abkühlung hin, doch der Fed-Chef sieht darin keine grundlegende Trendwende. Die anhaltend hohen Energiepreise, die durch den seit sechs Monaten andauernden Konflikt mit Iran befeuert werden, stellen eine permanente Belastung dar.
Konflikt mit der politischen Erwartung
Die Aussagen von Kevin Warsh stehen in einem deutlichen Spannungsverhältnis zu den Erwartungen des Weißen Hauses. US-Präsident Donald Trump hatte Warsh erst im Mai an die Spitze der Fed berufen, in der Hoffnung, dieser würde für deutliche Zinssenkungen sorgen, um die Wirtschaft zu entlasten. Die Realität der anhaltend hohen Inflation macht diese Erwartung nun zunichte.
Statt der erhofften Lockerung signalisiert der neue Notenbankchef nun sogar eine mögliche weitere Straffung. Diese Unabhängigkeitsbekundung der Fed ist von großer Bedeutung, da sie den Märkten verdeutlicht, dass die Geldpolitik weiterhin datengetrieben bleibt und nicht politischen Wünschen folgt. Mehrere Mitglieder des Federal Open Market Committee (FOMC) drängen angesichts der hartnäckigen Teuerung bereits auf ein entschlossenes Vorgehen.
Die Rede markiert einen wichtigen Wendepunkt in der Kommunikation der US-Notenbank. Nach einer Phase, in der die Märkte ein Ende des Zyklus antizipierten, stellt Warsh klar, dass der Job noch nicht erledigt ist. Die Option einer weiteren Zinserhöhung bleibt damit aktiv auf dem Tisch, solange die Inflationsdynamik nicht nachhaltig gebrochen ist.
Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und empfiehlt weder einen Wert noch ein Niveau oder eine Richtung; die Bewegung einer einzelnen Sitzung belegt keinen Trend. Hintergründe unter Wirtschaft, Abwertung, Arbeitslosenquote, Begriffe im Finanzlexikon.
Häufige Fragen
Was ist der zentrale Maßstab von Fed-Chef Warsh für die Zinspolitik?
Kevin Warsh hat klargestellt, dass die Fed davon überzeugt sein muss, dass sich die zugrunde liegende Inflation eindeutig und mit ausreichender Geschwindigkeit auf das 2-Prozent-Ziel zubewegt. Andernfalls sieht er weiteren Handlungsbedarf.
Warum sind Zinssenkungen derzeit unwahrscheinlich?
Zinssenkungen erscheinen unwahrscheinlich, weil die US-Inflation mit 3,4 Prozent im Juli seit über fünf Jahren über dem Ziel liegt und anhaltend hohe Energiepreise durch den Irankonflikt den Druck aufrechterhalten.
Steht die Position von Warsh im Widerspruch zu Präsident Trump?
Ja. Präsident Trump hatte Warsh mit der Erwartung berufen, dieser würde für Zinssenkungen sorgen. Stattdessen signalisiert der neue Fed-Chef nun die Möglichkeit weiterer Zinserhöhungen, was die Unabhängigkeit der Notenbank unterstreicht.
Quellen
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