Devisen

Goldpreis springt nach Fed-Kommentaren

Gold erzielt mit fast 3% den höchsten Tagesgewinn seit Monaten, nachdem Zinserhöhungsphantasien durch schwache US-Daten und zaghafte Fed-Signale gedämpft wurden.

Devisen-Redaktion·
Eine Steinfassade mit der Inschrift "Federal Reserve Bank of Cleveland"; beiderseits des Eingangs steht je eine allegorische Frauenfigur (Symbolbild)

Carol M. Highsmith / Wikimedia Commons (public domain)

Der Goldmarkt zeigt am Donnerstag deutliche Reaktionen auf die jüngsten Signale aus der US-Geldpolitik. Nach einem moderaten Vortagesanstieg legte der Goldpreis für die Oktober-Lieferung an der Comex mit einem kräftigen Sprung von 119 US-Dollar oder 2,72% auf 4499,70 Dollar pro Feinunze zu. Auch Silber zog mit einem Plus von 3,45% auf 67,18 Dollar pro Unze kräftig nach. Dies markiert den stärksten eintägigen prozentualen Zuwachs für Gold seit mehreren Wochen.

Dämpfer für die Zinsphantasien

Der plötzliche Schwung in den Edelmetallen ist direkt auf zwei Ereignisse zurückzuführen: Aussagen von Fed-Gouverneur Christopher Waller, die von Marktteilnehmern als moderater (dovish) interpretiert wurden, sowie auf eine überraschend schwache Beschäftigungsmeldung. Der National Employment Report von ADP zeigte, dass der US-Arbeitsmarkt im August lediglich 38.000 neue private Stellen schuf – der niedrigste Wert seit Januar und deutlich unter der erwarteten Marke von 47.000. Besonders kleinere Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern stockten ihre Belegschaften nur marginal um 3.000 Stellen auf.

Diese Zahlen haben die zuvor aufgekommenen Spekulationen über eine baldige Zinserhöhung der US-Notenbank merklich gedämpft. Noch am vergangenen Freitag hatte eine als hawkisch wahrgenommene Rede des ehemaligen Fed-Mitglieds Kevin Warsh auf dem Jackson Hole Symposium die Erwartungen für einen strafferen Kurs angeheizt. Die schwächeren Arbeitsmarktdaten wirken nun als Gegengewicht und lassen den Dollar unter Druck geraten, was Gold als alternative Währung attraktiver macht.

Datenlage bleibt im Fokus

Auch die wöchentlichen US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe bieten keine Entwarnung für die Fed. Die Zahlen des US-Arbeitsministeriums für die vierte Augustwoche zeigen einen leichten Anstieg um 2.000 auf 206.000 Anträge, womit sie sich in etwa auf dem Niveau der Markterwartungen von 205.000 bewegen. Die Arbeitslosenanträge verharren damit weiterhin auf dem seit dem kräftigen Rückgang im Frühjahr erreichten niedrigen Niveau, signalisieren aber keine sich weiter verschärfende Dynamik.

Für die Goldpreisentwicklung ist dieser Mix aus vorsichtigen Fed-Kommentaren und nachlassender Wirtschaftsdynamik ein klassisches Szenario. Sinken die Erwartungen für weitere Zinserhöhungen, verliert der US-Dollar tendenziell an Attraktivität, da die Zinsdifferenziale zu anderen Währungen kleiner werden könnten. Gleichzeitig unterstützt das Umfeld schwächelnder Konjunkturdaten die Nachfrage nach Gold als sicherer Hafen. Derzeitige Marktpreise reflektieren diese Verschiebung deutlich.

Die nächsten Wochen werden zeigen, ob sich dieser Trend verfestigt. Entscheidend werden die offiziellen US-Arbeitsmarktdaten des Bureau of Labor Statistics sowie weitere Stellungnahmen von Fed-Vertretern sein. Sollten sich die Anzeichen für eine kühlende Wirtschaft mehren und die Fed ihre Rhetorik entsprechend anpassen, könnte dies den Boden für höhere Goldpreise weiter bereiten.

Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und empfiehlt weder einen Wert noch ein Niveau oder eine Richtung; die Bewegung einer einzelnen Sitzung belegt keinen Trend. Hintergründe unter Devisen, Devisen, Forex, Begriffe im Finanzlexikon.

Häufige Fragen

Warum stieg der Goldpreis so stark?

Der Preis stieg aufgrund einer Kombination aus als moderat (dovish) interpretierten Kommentaren eines Fed-Gouverneurs und schwächer als erwarteten US-Arbeitsmarktdaten, welche die Erwartungen für eine baldige Zinserhöhung der US-Notenbank dämpften.

Welche Daten schwächten die Zinserwartungen?

Der ADP-Beschäftigungsbericht zeigte für August nur 38.000 neue Stellen im Privatsektor, den niedrigsten Wert seit Januar und deutlich unter den Prognosen. Zudem stiegen die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe leicht an.

Welchen Effekt hat das auf den US-Dollar?

Geringere Erwartungen für Zinserhöhungen machen den US-Dollar tendenziell weniger attraktiv gegenüber anderen Währungen, da die Zinsvorteile schwinden könnten. Ein schwächerer Dollar stützt üblicherweise den Goldpreis, da Gold in Dollar notiert.

Quellen

#Gold#US-Dollar#Federal Reserve#Zinsen#Arbeitsmarkt

Ähnliche Nachrichten