Wirtschaft

Fed-Zinserhöhung erwartet nach Inflation und Ölpreisschock

Die Märkte rechnen mit einer Zinsanhebung der US-Notenbank nächste Woche, nachdem die Kerninflation stärker stieg als erwartet und der Ölpreis durch den Iran-Konflikt auf 100 Dollar kletterte.

Wirtschafts-Redaktion·
Eine Steinfassade mit der Inschrift "Federal Reserve Bank of Cleveland"; beiderseits des Eingangs steht je eine allegorische Frauenfigur (Symbolbild)

Carol M. Highsmith / Wikimedia Commons (public domain)

Die Erwartungen an eine straffere Geldpolitik der US-Notenbank haben sich deutlich verdichtet. Nach der Veröffentlichung der jüngsten Inflationsdaten und einem massiven Anstieg der Ölpreise sehen die Märkte eine Zinserhöhung durch die Federal Reserve in der kommenden Woche als nahezu sicher an. Die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Schritt wird mittlerweile auf über 85 Prozent geschätzt. Noch vor einer Woche lag diese Quote lediglich bei 50 Prozent, bevor ein überraschend starker Arbeitsmarktbericht die Erwartungen erstmals nach oben trieb.

Kerninflation beschleunigt sich

Ein wesentlicher Treiber der veränderten Erwartungshaltung ist der jüngste Verbraucherpreisindex. Die Kerninflation, die volatile Komponenten wie Energie und Nahrungsmittel ausklammert, beschleunigte sich im August gegenüber dem Vormonat um 0,3 Prozent. Dieser Anstieg fiel damit stärker aus, als von den Märkten erwartet worden war, die mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet hatten. Die Teuerung wurde unter anderem durch Preiserhöhungen bei Mobilfunkdiensten, Flugtickets und Hotelübernachtungen befeuert. Obwohl sich die Fed offiziell an der PCE-Inflation orientiert, gilt die Kernrate als wichtiger Leitindikator für die längerfristige Preisentwicklung.

Der zweite zentrale Faktor ist ein dramatischer Anstieg der Energiepreise. Der Preis für US-Öl stieg in dieser Woche um fast zehn Dollar und notiert nun wieder bei rund 100 Dollar pro Barrel, einem Niveau, das zuletzt im Mai erreicht wurde. Dieser Schub ist eine direkte Folge der eskalierenden Spannungen im Nahen Osten. Angriffe haben Saudi-Arabien dazu veranlasst, Energieanlagen zu schließen und seine Ost-West-Ölpipeline stillzulegen, die eine Kapazität von sieben Millionen Barrel pro Tag hat.

Eskalation im Iran-Konflikt treibt Risikoaufschläge

Die geopolitischen Risiken haben sich weiter verschärft, nachdem die USA fünf iranische Öltanker angegriffen haben. Iran reagierte mit Vergeltungsmaßnahmen. Es gibt Berichte, dass der Iran seine Gegenangriffe ausweiten wird. US-Präsident Trump wurde zudem darüber informiert, dass der Konflikt möglicherweise bis zum Ende seiner Amtszeit andauern könnte. Diese Unsicherheit treibt die Risikoaufschläge an den Rohstoffmärkten und erhöht den Inflationsdruck, mit dem die Notenbanken weltweit zu kämpfen haben.

Die Aussicht auf höhere Zinsen und die damit verbundenen höheren Kapitalkosten belasten bereits die Finanzmärkte. Die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen stiegen in dieser Woche um fast 20 Basispunkte auf fast fünf Prozent und nähern sich damit einem Drei-Jahres-Hoch an. Ein Teil dieses Anstiegs folgte auf die Ankündigung des US-Finanzministeriums, Staatsanleihen im Wert von sechs Milliarden Dollar zurückzukaufen – ein Volumen, das unter den Markterwartungen von bis zu zehn Milliarden Dollar lag.

Die Aktienmärkte reagieren sensibel auf die veränderten Rahmenbedingungen. Höhere Zinsen drücken die Bewertungen von Wachstumsunternehmen und belasten die Gewinnaussichten. Der Nasdaq-100 verzeichnete in der Woche einen Rückgang von etwa einem Prozent. Die Anleger bereiten sich auf eine Phase ein, in der die geldpolitischen Entscheidungen der Fed wieder im Mittelpunkt des Marktgeschehens stehen werden.

Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und empfiehlt weder einen Wert noch ein Niveau oder eine Richtung; die Bewegung einer einzelnen Sitzung belegt keinen Trend. Hintergründe unter Wirtschaft, Abwertung, Arbeitslosenquote, Begriffe im Finanzlexikon.

Häufige Fragen

Warum rechnen die Märkte jetzt mit einer Fed-Zinserhöhung?

Die Märkte sehen eine über 85-prozentige Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt, hauptsächlich aufgrund zweier Faktoren: einer stärker als erwartet gestiegenen Kerninflation im August und einem sprunghaften Anstieg des Ölpreises auf 100 Dollar pro Barrel infolge des eskalierenden Iran-Konflikts.

Welche Rolle spielt der Ölpreis?

Der Ölpreis ist durch die Schließung saudischer Energieanlagen und der wichtigen Ost-West-Pipeline sowie durch militärische Auseinandersetzungen zwischen den USA und Iran stark gestiegen. Höhere Energiepreise erhöhen die allgemeine Inflation und zwingen die Notenbanken zu einer restriktiveren Politik.

Wie wirken sich die Erwartungen bereits aus?

Die Erwartung höherer Zinsen hat die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen auf fast fünf Prozent getrieben und belastet Aktienmärkte, insbesondere technologie-lastige Indizes wie den Nasdaq-100, der in der Woche etwa ein Prozent verlor.

Quellen

#Federal Reserve#Inflation#Ölpreis#Geopolitik#Zinsen

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