Gold verliert bei Inflationssorgen und Zinserwartungen
Der Goldpreis fiel am Montag um ein halbes Prozent, belastet von steigenden US-Anleiherenditen und Spannungen im Nahen Osten. Die Märkte warten auf US-Inflationsdaten.
Szaaman / Wikimedia Commons (pd)
Der Goldpreis setzte am Montag seinen Abwärtstrend fort und notierte deutlich im Minus. Der Spotpreis für das Edelmetall fiel um ein halbes Prozent auf 4.409,85 US-Dollar je Feinunze. Auch US-Gold-Futures gaben um 0,5 Prozent nach und wurden bei 4.455,51 Dollar gehandelt. Die Bewegung spiegelt eine komplexe Gemengelage wider, in der traditionelle Sicherheitsnachfrage von anderen Marktkräften überlagert wird.
Renditeanstieg drückt Attraktivität
Haupttreiber des Rückgangs waren die weiter steigenden Renditen von US-Staatsanleihen. Diese erreichten neue Höchststände, nachdem die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten deutlich stärker ausgefallen waren als erwartet. Die Zahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft stieg im Vormonat um 162.000, nach einer nach oben revidierten Zahl von 21.000 für Juli. Die Analystenerwartungen lagen bei nur 55.000. Diese robusten Daten erhöhten die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed bereits im September erheblich.
Höhere Zinsen und Anleiherenditen machen zinslose Anlageklassen wie Gold weniger attraktiv, da sie die Opportunitätskosten für das Halten des Edelmetalls erhöhen. Gleichzeitig wirkte sich eine ungewöhnliche Stärke des japanischen Yen dämpfend auf den US-Dollar-Index aus, was normalerweise Gold stützen würde. Der Yen erreichte ein Sieben-Monats-Hoch, getrieben von Spekulationen über eine straffere Geldpolitik der Bank of Japan.
Fokus liegt auf US-Inflationsdaten
Die volle Aufmerksamkeit der Märkte richtet sich nun auf die anstehenden US-Inflationszahlen. Am Donnerstag werden die Daten zur Erzeugerpreisinflation (PPI) und am Freitag der entscheidende Verbraucherpreisindex (CPI) veröffentlicht. Diese Daten werden als wegweisend für den weiteren Zinspfad der Fed angesehen und dürften die Risikoneigung der Anleger maßgeblich beeinflussen. Ein stärker als erwarteter Preisdruck würde die Erwartungen weiterer Zinserhöhungen zementieren und Gold zusätzlich unter Druck setzen.
Parallel dazu treiben geopolitische Spannungen im Nahen Osten die Ölpreise in die Höhe. Die Terminkontrakte für Brent-Rohöl näherten sich der Marke von 97 US-Dollar je Barrel. Auslöser waren US-Angriffe auf iranische Tanker und Drohungen Teherans, eine neue beschränkte Zone außerhalb der Straße von Hormus einzurichten. Dies nährt Befürchtungen vor anhaltenden Störungen der Energieversorgungswege.
Die steigenden Energiepreise schüren ihrerseits Inflationsängste und beeinflussen die Erwartungen an andere Notenbanken. Es wird erwartet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts dieses Preisauftriebs ihre Zinsen noch in dieser Woche anheben wird. Für Gold ergibt sich daraus ein widersprüchliches Bild: Einerseits stärken Ölpreise und geopolitischer Stress seinen Ruf als sicherer Hafen, andererseits erzwingen sie eine restriktivere Geldpolitik, die den Goldpreis belastet.
Die Handelssitzung am Montag zeigte, dass sich der Markt derzeit stärker von den Zinserwartungen und der Attraktivität verzinslicher Alternativen leiten lässt als von der klassischen Sicherheitsnachfrage. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Inflationsdaten diese Dynamik bestätigen oder ob geopolitische Eskalationen die Oberhand gewinnen.
Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und empfiehlt weder einen Wert noch ein Niveau oder eine Richtung; die Bewegung einer einzelnen Sitzung belegt keinen Trend. Hintergründe unter Devisen, Devisen, Forex, Begriffe im Finanzlexikon.
Quellen
Ähnliche Nachrichten
Goldpreis stürzt nach starken US-Arbeitsmarktdaten ab
Der Goldpreis verlor am Freitag über 1% nach einem überraschend robusten US-Arbeitsmarktbericht, der die Erwartungen für weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank befeuerte.
Goldpreis steigt auf über 4.400 Dollar
Der Goldpreis legt kräftig zu, da schwächere US-Arbeitsmarktdaten und sinkende Renditen die Erwartungen an eine Zinserhöhung der Fed dämpfen.
Goldpreis auf Vier-Wochen-Tief
Der Goldpreis fällt auf ein Vier-Wochen-Tief bei 4.309 US-Dollar je Unze. Eskalierende Spannungen im Nahen Osten und Zinserhöhungserwartungen der Fed drücken den Edelmetallkurs.
Ölpreis steigt nach US-Angriff auf Iran
Nach einem amerikanischen Luftangriff auf iranische Stellungen bei der Straße von Hormus ist der Ölpreis um über drei Prozent gestiegen. Analysten warnen vor einer neuen Eskalationsstufe.
Gold steigt auf Dreimonatshoch nach US-Treasury-Eingriff
Der Goldpreis legt um 1,5 Prozent zu und erreicht mit 4.586 US-Dollar je Unze den höchsten Stand seit fast drei Monaten. Der schwächere Dollar und eine überraschende Anleihe-Rückkaufaktion des US-Finanzministeriums treiben die Edelmetalle.
Gold stabil vor US-Einzelhandelsdaten
Der Goldpreis zeigt sich unverändert und steht vor der zweiten Wochengewinn in Folge. Entspannung bei Inflationsdaten und geopolitische Spannungen halten die Märkte in Atem.